Inspiring Lunch People & Culture: Mehr Fachkräfte für den sozialen Sektor! Aber wie?

Am 26.10.2021 fand der dritte Teil unserer online Eventreihe: Inspiring Lunch People & Culture statt. Das Event richtet sich an Entscheider*innen aus Geschäftsführung und Personalbereich gemeinwohlorientierter Organisationen. Der Inspiring Lunch bietet Impulse zu Zukunftsfähigkeit und Leadership in Zeiten des Wandels und Raum für Austausch und Vernetzung.

Diesmal beschäftigten wir uns mit dem Thema „Mehr Arbeitskräfte für den sozialen Sektor! Aber wie?“. Zu Gast war dafür Joß Steinke, Bereichsleiter Jugend und Wohlfahrtspflege beim Deutschen Roten Kreuz.

Fachkräftemangel im sozialen Sektor ist eine Problematik, die in der politischen Debatte meist verkürzt auf den Bereich Pflege diskutiert wird. Das dies zu kurz gegriffen ist, zeigt auch die Vielfalt der Teilnehmenden am Inspiring Lunch: Vertreter*innen aus politischen NGOs, Sozial- und Nachhaltigkeitsunternehmen, Stiftungen und der Wohlfahrt waren vertreten und berichteten von unterschiedlichsten Positionen, bei denen eine erfolgreiche Besetzung schwierig sei.

Zum Start des Events brachte Joß Steinke seine Perspektiven ein: Zum einen berichtete er über Erfahrungen und Ansätze aus der Praxis des DRK; zum anderen beleuchtete er die (bundes-) politische Dimension des Themas. Im Fokus des Beitrags unseres Referenten standen somit politische und gesellschaftliche Lösungsansätze und praktische Handlungsideen und Empfehlungen, um eine erfolgreiche Rekrutierung sicherzustellen. Einige Punkte halten wir für Sie in diesem Blogbeitrag fest.

„Fachkräftemangel“ ist mittlerweile in aller Munde und in einigen Branchen schon seit Jahren spürbar. Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2018 zeigen, dass Organisationen im sozialen Sektor besonders Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften haben. Gleichzeitig kämpfen viele Betriebe im sozialen Sektor mit einer höheren Anzahl an Fehl- und Krankheitstagen.

Um diesen Trend des Fachkräftemangels im sozialen Sektor entgegenzuwirken, formulierte Joß Steinke einige Ansätze und Empfehlungen sowohl an die Politik als auch an die Organisationen selbst. Zudem warnt er vor singulären Lösungsansätzen, die lediglich einen Bereich des sozialen Sektors stärken. Andernfalls würden Fachkräfte aus den „schwächeren“ Bereichen in die gestärkten abwandern und so „Kannibalisierungseffekte“ entstehen. Von der neuen Bundesregierung wünscht sich Steinke, dass eine Beschäftigungspolitik für den Sektor entstehe. So sollen durch eine breite Kommunikationsoffensive Berufe aus den Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung und Bildung durch bundesweite Allianzen für Aus- und Weiterbildungen sowie eine nationale Aus- und Weiterbildungs- und Qualifizierungsstrategie gefördert werden. Auch die Arbeitsbedingungen müssen angepasst werden. Dazu gehört die Einschränkung befristeter Beschäftigungsverhältnisse sowie die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es brauche eine Erneuerung des Systems, um sicherzustellen, dass soziale Dienstleistungen weiter (re-)finanziert werden und Investitionen in Digitalisierung und Modernisierung möglich sind.

Es müssen neue Ansätze in der Personalgewinnung gefunden werden, um den Fachkräftemangel im sozialen Sektor zu vermeiden. Ein Ansatz sind Orientierungskurse für Quereinsteiger*innen in soziale Berufe, die in regionaler Zusammenarbeit durch das vernetzte Wissen und dem Praxisbezug verschiedenster sozialen Einrichtungen sowie der Arbeitsagentur erarbeitet werden sollen. Dies soll dazu beitragen, den Fachkräftebedarf in sozialen Bereichen zu adressieren, aktiv auf Interessierte zuzugehen und Einstiegs- wie auch Karrieremöglichkeiten in der Region aufzuzeigen. Auch soll durch den Einblick in die Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten die Attraktivität der sozialen Berufe gesteigert und durch die Authentizität der Kurse eine fundierte Entscheidung für einen Quereinstieg ermöglicht werden.

Unser Gast warnt vor den Folgen für die Gesellschaft, da durch Fachkräftemangel im sozialen Sektor der Wohlfahrtsstaat gefährdet sei, da grundlegende soziale Dienstleistungen nicht weiter erbracht werden können und Versorgungsengpässe entstehen, die letztendlich diejenigen treffen, die der Staat schützen sollte.

Der Impuls, Angebote für Quereinsteiger*innen noch weiter auszubauen und somit neue Zielgruppen aktiv anzusprechen, traf auch bei den Teilnehmenden aus Organisationen, die keine sozialen Dienstleistungen erbringen, auf reges Interesse. Den Rekrutierungsprozess nicht mit der Einstellung einer Person als beendet zu betrachten, sondern eine umfassende Einarbeitung on the job fest einzuplanen, klingt zwar zunächst nach einem höheren Aufwand, kann mittelfristig aber ein weiterer Baustein sein, um weiterhin erfolgreich Personal zu rekrutieren und die Zukunftsfähigkeit der eigenen Organisation sicherzustellen.

Wir bedanken uns bei unserem Gast Joß Steinke für die spannenden Einblicke und neuen Denkanstöße!

Termin verpasst?

Sie konnten im Oktober nicht dabei sein, aber möchten weiter informiert bleiben? Dann notieren Sie sich schon jetzt den nächsten Termin, schnappen Sie sich einen leckeren Mittagssnack und seien Sie beim nächsten Inspiring Lunch dabei!

  • Donnerstag, 20.01.2022; 12:30 – 13:30: Elternzeit = Personalentwicklung!? Wie Elternzeit ein Gewinn für Mitarbeiter*innen und Arbeitgeber*innen werden könn(t)en

Judith Hartmann, Kfm. Leiterin Talents4Good

Kerstin Wöller, Projektmanagerin Talents4Good


Anmeldung über eventbrite.de